Lepra und Kunst . . . . . . . . .

Inkunabel-Holzschnitt, Heilung der zehn Aussätzigen, aus: Ludolfus de Saxonia, 1499
Inkunabel-Holzschnitt, Heilung der zehn Aussätzigen, aus: Ludolfus de Saxonia, 1499

In der Kunst der vergangenen Jahrhunderte finden sich zahlreiche Darstellungen von Leprakranken.

Zu den beliebten Motiven früher Werke zählt dabei etwa die Heilung von Aussätzigen durch Jesus. Daneben wurden bestimmte Heilige häufig als Leprakranke dargestellt. Hier sind besonders der alttestamentarische Hiob und Lazarus von Bethanien zu nennen. Beiden ist gemein, dass sie ihr schweres Schicksal jeweils gottesfürchtig ertrugen und dafür später von Gott belohnt wurden. Auf diese Weise dienten sie den Leprakranken als Vorbilder. Dies zeigt auch die eine Inschrift am sogenannten Lazarushäuschen auf dem Gelände des ehemaligen Leprosenhauses Kinderhaus.


Inschriftentafel im Lazarushäuschen, Foto: S. Ruwe, GfL, 2013
Inschriftentafel im Lazarushäuschen, Foto: S. Ruwe, GfL, 2013

Links:

SANCTA GERTRVDIS VIRGO PATRONA HUI(U)S ECCLESIAE A(NN)O 1618

Die heilge Gertrud, Jungfrau, Patronin dieser Kirche, im Jahre 1618

 

Rechts:

SANCTUS LAZARUS INSIGNE PATIENTIAE EXEMPLUM P(RO) LEPROSIS

Der heilige Lazarus, in seiner Geduld ein Beispiel für die Leprosen

Auf vielen Darstellungen findet man Leprakranke zusammen mit Heiligen, die sie waschen oder pflegen. Solche Abbildungen stellten die besondere Opferbereitschaft und Mildtätigkeit der Pflegenden heraus, die sich nicht scheuten, sich auch entstellten und ansteckend erkrankten Menschen zuzuwenden.

Auf früheren Darstellungen sind die Symptome der Leprakranken meist sehr vereinfacht in Form von Punkten oder Strichen auf der Haut zu erkennen. Dass es sich bei der betroffenen Person um einen Leprakranken handelt, geht dabei häufig nur aus ergänzenden Schriftzügen, dem Bildzusammenhang oder bestimmten Attributen wie etwa einer Klapper hervor. Erst ab dem 15. Jahrhundert wurden die Symptome Leprakranker detaillierter und realistischer wiedergegeben.

Im 20. Jahrhundert war es zunächst vor allem der Schreckender Weltkriege, der Künstler zur Darstellung Leprakranker inspirierte. Die Krankheit steht in diesen Fällen symbolisch für das Kriegsleid. Daneben widmeten und widmen sich aber auch Menschen, die - etwa in der Leprahilfe - persönliche Erfahrungen mit Leprakranken gemacht haben, der künstlerischen Bearbeitung des Themas.