Klapper 2006

 

 

Dokumentation

Mittelalterliche Leprosorien im heutigen Sachsen

Einleitung:

Mit der 12. Lieferung "Mittelalterliche Leprosorien im heutigen Sachsen" erscheint die letzte Einzelkarte der Reihe "Mittelalterliche Leprosenhäuser" in den heutigen Bundesländern. Als Abschluss ist - wie bereits angekündigt - eine Gesamtkarte "Mittelalterliche Leprosorien in Deutschland" geplant.


Für das Bundesland Sachsen lassen sich insgesamt 20 Leprosorien in 17 Orten nachweisen, von denen allein 11 Häuser als ungesichert einzustufen sind.

Der Überblick nach Jahrhunderten


13. Jahrhundert:

Leipzig (1213)

Dresden (nach 1250)

Görlitz (1298)

Freiberg (um 1250)

Plauen (1255)

Leipzig (1278)

Zwickau (1284)

Lößnitz (1286)

Grimma (13. Jahrhundert)



14. Jahrhundert:

Zittau (1303)

Chemnitz (1365)



16. Jahrhundert:

Geyer (um 1500)

Dresden (1517)

Wurzen (vor 1552)

Borna (1564)



Undatiert:

Döbeln

Freiberg

Großenhain

Oschatz

Reichenbach

 

Zusammenfassung:

Die Leprosorien in Sachsen werden in den Quellen häufig als „domus leprosorum“ (Görlitz), „zum fernen Siechen“ (Döbeln), „Siechenhof zum hl. Geist“ (Chemnitz), „Fernesiechenhospital“ (Freiberg) oder „die armen siechen draussen uff dem Velde“ (Görlitz) oder als „Siechenhaus“ bezeichnet. In Reichenbach ist als Flurbezeichnung „Siechenwiese“ für Aussätzige überliefert.

 

Häufig finden wir komplett ausgestattete Häuser mit Hospitalgebäude, Kapelle und Friedhof (Geyer, Görlitz, Grimma, Großenhain, Leipzig, Lößnitz). Die „Lepraschau“ ist für das Leipziger Leprosenhaus St. Johannes nachzuweisen, in dem die Leprösen sich bruderschaftlich organisiert hatten. Die „Lepraschau“ wurde ab 1529 von der Medizinischen Fakultät in Leipzig durchgeführt. Die Häuser in Görlitz (ab 1567), in Zwickau (ab 1505) und Leipzig (im 15. Jahrhundert) brachten als Isolierhäuser vorübergehend Syphiliskranke unter und waren in der darauf folgenden Zeit mehrmals einem Funktionswandel unterworfen, bevor sie als Altenheime im 19. Jahrhundert abgerissen wurden (Chemnitz 1836, Freiberg 1843, Grimma 1835, Großenhain 1850 und 1884).

 

Als Patrozinien der Kapellen sind überliefert:

St. Georg (Borna, Grimma, Leipzig, Lößnitz, Oschatz),

St. Jakob (Görlitz, Großenhain, Zittau),

St. Bartholomäus (Dresden, Freiberg),

St. Johannes (Leipzig, Zwickau),

hl. Geist (Chemnitz),

St. Wolfgang (Geyer).

 

 

Literaturhinweise

Keyser, Erich / Stoob, Heinz, Deutsches Städtebuch, 5 Bde. (1939–1974)

Reicke, Siegfried, Das deutsche Spital und sein Recht im Mittelalter, 2 Bde., Stuttgart 1932, ND Amsterdam 1970 (Kirchenrechtl. Abh. 111–114)

Virchow, Rudolf, Zur Geschichte des Aussatzes, besonders in Deutschland, in: Virchows Archiv path. Anat. 18, 1860, S. 138-162, S. 273-329

 

 

Jürgen Belker-van den Heuvel, Münster

 

Details der Leprosenhäuser im heutigen Sachsen

 

Übersichtskarte der Leprosenhäuser im heutigen Sachsen

 

 

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Bezug der Klapper:

 Druckexemplare der einzelnen Klapper-Ausgaben können, gern gegen eine freiwillige Spende, über die Gesellschaft für Leprakunde e.V. bezogen werden.

 

Bestellungen bitte an:

 

info@lepramuseum.de