Klapper 1988

 

 

Dokumentation

Mittelalterliche Leprosorien im heutigen Niedersachsen und Bremen


 

Einleitung

 

Mit der vorliegenden Dokumentation Nr. 2, "Leprosenhäuser in Niedersachsen und Bremen", setzt die GfL die in der ersten Ausgabe "Die Klapper" (1/1986) begonnene Dokumentation fort. Die Dokumentation ist als Beilage konzipiert worden, die regelmäßig als lose Blattfolge mit Karten-, Text- und Anlageteil in der Reihe " Leprosenhäuser im Gebiet der heutigen Bundesrepublik erscheinen soll.

Der damit beabsichtigte Überblick wird zunächst schrittweise in Kartenausschnitten vorgelegt. Er wird einen festgelegten geographischen Raum umfassen, der sich aufgrund seiner politischen Grenzen in die einzelnen Bundesländer übersichtlich aufgliedern läßt.

Dieses Konzept ermöglicht die Ausarbeitung von acht Einzelkarten

 

1. Schleswig-Holstein und Hamburg

 

2. Niedersachsen und Bremen

 

3. Nordrhein-Westfalen

 

4. Hessen

 

5. Rheinland Pfalz und Saarland

 

6. Baden-Württemberg

 

7. Bayern, a) Franken/Oberpfalz, b) Bayern

 

mit einem einheitlichen Maßstab von 1:1 Million. Die einzelnen Kartenausschnitte werden später zu der Gesamtkarte "Leprosenhäuser im Gebiet der heutigen Bundesrepublik" (1 :1.000.000) zusammengefaßt und als Sonderdruck erscheinen. Jede Einzelkarte wird mit einem kurzen Kommentar erscheinen, der die gelieferten Detailinformationen der Karte und der Anlagen zusammenfaßt.

Auf Anmerkungen und ausführliche Literaturhinweise muß aus Platzgründen leider verzichtet werden. Die einzelnen Belegstellen für die aufgeführten Orte mit gesicherten oder ungesicherten Leprosenhäusern können bei Bedarf bei der Redaktion angefragt werden.

Weiterhin sind Zusatzkarten geplant, die über den deutschsprachigen Raum hinaus (Mecklenburg, Pommern, Brandenburg/Berlin, Ostpreußen/Danzig, Schlesien, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Österreich, Schweiz) ebenso den europäischen Raum erfassen sollen.

 

Niedersachsen und Bremen

 

Für den Raum Niedersachsen und Bremen konnten bislang insgesamt 56 Leprosenhäuser nachgewiesen werden.

 

13. Jahrhundert

 

Die frühesten Ersterwähnungen stammen, ähnlich denen in Schleswig-Holstein, aus dem 13. Jahrhundert.
Bei den acht belegten Leprosenhäusern

Einbeck = 1200
Bremen = 1226
Braunschweig = 1230
Lüneburg = 1250
Hildesheim = 1270
Hannover = 1284
Osnabrück = 1287
Goslar = 1293

sind es wiederum die Bischofssitze (Bremen, Hildesheim, Osnabrück) und die durch den Handel aufblühenden Städte (Braunschweig, Lüneburg, Goslar), die als finanzkräftige Gemeinwesen Leprosorien errichteten und ausstatteten.

 

14. Jahrhundert

 


Weitere 14 Erwähnungen sind für das 14. Jahrhundert belegt

Göttingen = 1311
Verden = 1340
Oldenburg = 1345
Duderstadt = 1347
Lingen (?) = 1350
Bockenem = 1351
Bleckede (?) = 1354
Osterode = 1360
Quakenbrück (?) = 1354
Artlenburg = 1364
Uslar = 1373
Gifhorn = 1382
Celle = 1392
Wunsdorf = 1396.

 

15. Jahrhundert

 

Die größte Anzahl der Ersterwähnungen fällt mit insgesamt 18 Datierungen in das 15.
Jahrhundert

Einbeck = 1400
Uelzen = 1405
Hildesheim = 1416
Hildesheim = 1430
Northeim = 1432
Hameln = 1439
Alfeld = 1442
Minden = 1443
Meppen = 1458
Göttingen = 1460
Hessisch Oldendorf (?) = 1464
Königslutter = 1470
Vechta = 1475
Lüchow = 1477
Helmstedt = 1488
Cloppenburg = 1492
Winsen = 1496.

16. und 17. Jahrhundert

 

Im 16. und 17. Jahrhundert nehmen die Ersterwähnungen sprungartig ab

16. Jahrhundert: Emden
17. Jahrhundert: Göttingen und Rinteln.

 

Undatiert

 

15 weitere Leprosenhäuser bleiben bislang undatiert

Bodenwerder
Burgdorf
Dannenberg
Dassel
Emden
Gandersheim
Hardegsen (?)
Haselünne
MeIle
Moringen
Neustadt a.R. (?)
Peine (?)
Stade
Stadtoldendorf
Wildeshausen.

War für Schleswig-Holstein bei allen Leprosorien ausschließlich St. Georg als Patrozinium nachzuweisen, so ist der Patron in Niedersachsen bei den insgesamt 36 belegten Patrozinien mit insgesamt 10 Benennungen
Lüchow
Northeim
Winsen
Bleckede
Celle
Einbeck
Gifhorn
Gronau
Verden
Dannenberg
noch an erster Stelle zu finden,

gefolgt von St. Nikolaus
Hannover
Lüneburg
Hildesheim
Gandersheim
Hardegsen
Moringen
Neustadt,

HI. Anna

Helmstedt
Hameln
Uslar,

Bartholomäus
Einbeck
Göttingen,

Rembert
Bremen,

Leonhard
Braunschweig,

Pankratius
Goslar,

Katharina
Hildesheim,

Maria
Osnabrück,

Elisabeth
Alfeld,

Lazarus
Emden,

HI. Kreuz
Hildesheim,

Vitus
Uelzen,

Martin
Duderstadt,

Antonius
Lingen,

Gertrud
Oldenburg,

Eobaldi
Osterode,

Johannes
Stadthagen.

Jürgen Belker, Münster

 


 

Literaturhinweise:

H.-G. Griep, Südniedersachsen, eine medizinhistorische Topographie, Hameln 1961
H. Lange, Geschichte der christlichen Liebestätigkeit in der Stadt Bremen im Mittelalter Münster 1925
D. Leistikow Mittelalterliche Hospitalbauten Norddeutschlands. In: Stadt im Wandel. Ausstellungskatalog Landesausstellung Niedersachsen 1985, Bd. 4: Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 1150-1650, hg. v.C. Meckseper, Stuttgart/Bad Cannstatt 1985, S. 223-249
A.H. Murken, Von den ersten Hospitälern bis zum modernen Krankenhaus. Die Geschichte der Medizin und ihrer Institutionen vom frühen Mittelalter bis zur Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung Niedersachsens, In: Stadt im Wandel. Ausstellungskatalog Landesausstellung Niedersachsen 1985, Bd. 4, S. 189-222

 


Bezug der Klapper:

 Druckexemplare der einzelnen Klapper-Ausgaben können, gern gegen eine freiwillige Spende, über die Gesellschaft für Leprakunde e.V. bezogen werden.

 

Bestellungen bitte an:

 

info@lepramuseum.de