Klapper 1996

 

 

Dokumentation

Mittelalterliche Leprosorien im heutigen Mecklenburg-Vorpommern


Einleitung

Nach den Kartenlieferungen 1 (Schleswig-Holstein und Hamburg, "Die Klapper" 1/1986), 2 (Niedersachsen und Bremen, "Die Klapper" 1/1988 - 2. Jahrgang) und 7 (Bayern, "Die Klapper" 1/1995 - 3. Jahrgang) hat sich die Redaktion entschieden, die erste Zusatzkarte als Einzelkarte "Mecklenburg-Vorpommern" vorzulegen (vergl. Einleitung/Konzept "Die Klapper" 1/1988 - 2. Jahrgang, Lieferung 2, Leprosenhäuser in Niedersachsen und Bremen). Als das Gesamtkonzept für die Kartenlieferungen 1986/87 erstellt wurde, war die Vereinigung West- und Ostdeutschands nicht abzusehen. Die Redaktion möchte der Entwicklung der letzten Jahre versuchen gerecht zu werden, indem sie sich vom ursprünglich vorgesehenen Konzept, zuerst die Bundesländer der Bundesrepublik so systematisch wie möglich zu bearbeiten, löst und nun mit dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern (8. Lieferung) das erste ostdeutsche Bundesland vorlegt, obwohl die 4. Lieferung, Hessen, bereits in Bearbeitung war. Die 4. Lieferung wird in der nächsten Ausgabe "Die Klapper" erscheinen.

Mecklenburg-Vorpommern

Der erste Überblick zeigt eine dichtere Streuung der Belegstellen von Leprosenhäusern im nördlichen Bereich bis zur Landesmitte, die auf der Achse Anklam, Jamen, Demmin, bis nach Schwerin und Gadebusch sich langsam auflöst. Dabei ist die Anreihung in west- östlicher Richtung entlang der alten Küstenstraße deutlich hervorzuheben, an denen die bedeutendsten wendischen Hansestädte (Wismar, Rostock, Stralsund) zu finden sind. An dieser alten Handelsstraße sind gleichzeitig auch die frühesten Nachweise für Leprosenhäuser des 13. und 14. Jahrhunderts zu finden, denen sich die frühen Belege der Hansestädte Anklam und Demmin anschließen. Dieses unterstreicht die chronologische Aufgliederung nach Jahrhunderten, in der zuerst die Hansestädte und die frühen, planmäßigen Stadtgründungen der slawischen Fürsten zu benennen sind. Auch wiederum hier war die Ausbreitung des Städtewesens im 13. und 14. Jahrhundert, an den für den wachsenden Handel günstig gelegenen Orten, den Handels- und Schiffahrtswegen, maßgebend. Orte, an denen sich früh Kaufleute niederließen, die Stadtrechte erhielten, an denen sich der städtische Rat herausbildetete, Befestigungsanlagen errichtet wurden und nicht selten die Franziskaner ihre ersten Ordensniederlassungen suchten.

Der Überblick nach Jahrhunderten:

13. Jahrhundert:
1. Rostock = 1260
2. Demmin = 1269
3. Stralsund = 1275
4. Grevesmühlen = 1283
5. Bützow = 1286
6. Schwerin = 1288
7. Wismar = 1298
8. Darsow = 13. Jahrhundert

14. Jahrhundert
1. Greifswald = 1301
2. Barth = 1307
3. Güstrow = 1313
4. Gristow = 1319
5. Gadebusch = 1327
6. Rambin auf Rügen = 1334
7. Goldberg = 1335
8. Stralsund/Pütte-Pantelitz = 1336
9. Richtenberg = 1340
10. Gingst auf Rügen = 1346
11. Grimmen = 1346
12. Tribsees vor 1346,
13. Anklam = 1348
14. Gnoien = 1350
15. Damgarten = 1352
16. Sagard auf Rügen = 1352
17. Loitz = 1359
18. Ueckermünde = 1359
19. Sternberg vor 1361
20. Bergen auf Rügen = 1380
21. Garz auf Rügen = 1380
22. Eixen = 1386
23. Wismar = 1395
24. Kröpelin = 1396
25. Neubrandenburg = 14. Jahrhundert

15. Jahrhundert
1. Neukalen = 1400
2. Neubukow = 1406
3. Friedland = 1408
4. Pasewalk = 1408
5. Gützkow= 1415
6. Jarmen = 1415
7. Katzow = 1415
8. Wolgast = 1420
9. Neustadt-Glewe = 1421
10. Ribnitz = 1472 (neuerichtet)
11. Usedom = 1480

16. Jahrhundert
1. Teterow = 1514
2. Rostock/Rövershagen = 1534
3. Rehna = 1541
4. Röbel = 1577
5. Wesenberg = 16. Jahrhundert

Undatiert
1. Franzburg
2. Kröslin
3. Laage
4. Lassan
5. Penkun
6. Plau
7. Tessin
8. Trent auf Rügen

Durch die Stiftungsbereitschaft des städtischen Bürgertums waren die Leprosenhäuser zum Teil sehr reich ausgestattet. Die Oberaufsicht lag in den Händen der Ratsherren, der Provisoren. Die reiche Ausstattung, z. B. durch Landbesitz, war auch Kapitalanlage, über die der Rat in "Notsituationen" verfügte. Ein Leprakranker taucht im 14. Jahrhundert sogar im Stadtsiegel der Stadt Kröpelin auf. Aus Testamenten erfahren wir auch etwas über die Anzahl der Insassen (Stralsund 1337 = 40 Personen; Gnoien 1350 = 9 Personen; Loitz 1359 = 12 Personen; Neubukow 1569 = 9 Personen, 1584 = 16 Personen, 1609 = 15 Personen, darunter kein "Leprosi", wurde inzwischen zum Armenhaus umfunktioniert). Aufgrund der reichen Ausstattung der Stiftungen lebten viele nach dem Rückgang der Lepra im 16./17. Jahrhundert als Armenhäuser fort (z. B. Barth, Grevesmühlen, Kröpelin, Neubukow, Neustadt-Glewe, Rambin auf Rügen, Stralsund, Teterow, Ueckermünde). Bei allen Leprosenhäusern in Mecklenburg-Pommern ist das Patrozinium des Heiligen Georg nachzuweisen, auch für Wismar, das später auf den Heiligen Jakob umgewidmet wurde. Der Heilige Georg wird auch heute noch im slawischen Raum als besonderer Heiliger verehrt und hat dort eine größere Bedeutung gefunden als in Westeuropa.

J. Belker, Münster

 


Bezug der Klapper:

 Druckexemplare der einzelnen Klapper-Ausgaben können, gern gegen eine freiwillige Spende, über die Gesellschaft für Leprakunde e.V. bezogen werden.

 

Bestellungen bitte an:

 

info@lepramuseum.de