Dokumentation:
Mittelalterliche Leprosorien
im heutigen Thüringen . . . . . . . . .
Einleitung:
Mit der 11. Kartenlieferung
"Mittelalterliche Leprosenhäuser im heutigen Thüringen"
behandeln wir, nach Mecklenburg-Vorpommern (8.Lieferung/4.Jg.) und Brandenburg/Berlin
(9.Lieferung/6.Jg.), das dritte ostdeutsche Bundesland. Nach den seit
1986 erfolgten neun Kartenlieferungen
(Schleswig-Holstein/Hamburg: 1986, 1.Lieferung/1.Jg.,
Niedersachsen/Bremen: 1988, 2.Lieferung/2.Jg.,
Bayern: 1995, 7.Lieferung/3.Jg.,
Mecklenburg-Vorpommern: 1996, 8.Lieferung/4.Jg.,
Hessen: 1997, 4.Lieferung/5.Jg.,
Brandenburg/Berlin: 1998, 9.Lieferung/6.Jg.,
Nordrhein-Westfalen: 2000, 3.Lieferung/8.Jg.,
Rheinland-Pfalz/Saarland: 2001, 5.Lieferung/9.Jg.,
Thüringen: 2002, 11.Lieferung/10.Jg.)
stehen ab 2003 somit nur noch drei Kartenlieferungen aus
(Baden-Württemberg: 2003, 6.Lieferung/11.Jg.,
Sachsen-Anhalt: 2004, 10.Lieferung/12.Jg.
und Sachsen: 2005, 12.Lieferung/13.Jg.).
Die Kartenlieferungen werden abgeschlossen mit einer 13. Lieferung,
die dann auf einer Gesamtkarte die dichte Streubreite der mittelalterlichen
Leprosorien in Deutschland aufzeigen soll. Darüber hinaus wird
die Gesamtkarte ausgestattet sein mit einem begleitenden Text, einer
aktualisierten Gesamtlegende (mit Ergänzungen und Korrekturen)
und einem ausführlichen Quellennachweis.
Thüringen
Wenden wir uns der
aktuellen Verbreitungskarte Thüringens zu. In dem bereits seit
dem Mittelalter mit einer reichen Städtelandschaft ausgestatteten
Thüringen (über 90 Städte) lassen sich insgesamt 39 Leprosenhäuser
in 30 Städten nachweisen. Bei besserer Quellenlage dürfte
mit erheblich mehr Nachweisen zu rechnen sein. Die Vermutung basiert
auf der Feststellung, dass z.B. die frühesten Belege der Leprosorien
im 13. Jahrhundert nicht zufällig den Städten zuzuordnen sind,
die sich entlang der Fernhandelswege aufreihen. Im Zentrum ist als erstes
Erfurt (mindestens 5 Leprosorien) zu nennen mit den bedeutenden Verkehrsachsen
(Köln - Frankfurt - Leipzig und Augsburg - Nürnberg - Bamberg
- Braunschweig - Lüneburg - Lübeck), gefolgt von Eisenach
(2 Leprosorien, Fernhandelsweg Frankfurt - Leipzig), Nordhausen (2 Leprosorien,
Fernhandelsweg Goslar - Einbeck, Hessenweg, Mühlhausen - Erfurt
- Halle), Saalfeld (Saaleübergang, Fernweg nach Merseburg, Abzweigung
ins Orlagau und nach Gera) und Meiningen (Werraübergang, Fernweg
Nürnberg - Eisenach).
Überblick
nach Jahrhunderten
Im Überblick
nach Jahrhunderten (Ersterwähnung der Leprosorien) gegliedert,
entsteht folgendes Verteilungsbild:
13. Jahrhundert:
Eisenach (1204),
Eisenach (1226),
Erfurt (1227),
Saalfeld (vor 1264),
Erfurt (1265),
Erfurt (1293),
Nordhausen (1281),
Erfurt (13. Jh.),
Heringen (13.Jh.),
Meiningen (13.Jh.),
Nordhausen (13.Jh.)
und Waltershausen (13.Jh.).
14. Jahrhundert:
Langensalza (1307),
Weimar (1323),
Mühlhausen (1343),
Gotha (vor 1347),
Vacha (1348),
Heiligenstadt (1387),
Erfurt (1389),
Sondershausen (1391),
Ziegenrück (14.Jh.).
15. Jahrhundert:
Jena (1416),
Altenburg (1437),
Neustadt (1458),
Schmölln (1463),
Gera (1482),
Jena (1482),
Rudolstadt (vor 1484),
Wasungen (1494).
Hildburghausen (1497),
Großengottern (15. Jh.),
Kahla (15.Jh.),
Mühlhausen (15.Jh.).
16. Jahrhundert:
Schmalkalden (1594)
17. Jahrhundert:
Schlotheim (1618)
Undatiert:
Altenburg,
Bad Frankenhausen,
Heldburg,
Weimar.
Zusammenfassung:
Mit Erfurt (mindestens 5 Leprosorien), Altenburg, Eisenach, Jena, Mühlhausen,
Nordhausen und Weimar (jeweils 2 Leprosorien) sind gleich die Städte
genannt, in denen mehrere Leprosorien nachzuweisen sind. 16 Häuser
sind mit Kapellen ausgestattet (Altenburg, Eisenach, Erfurt, Bad Frankenhausen,
Gera, Gotha, Heiligenstadt, Hildburghausen, Langensalza, Neustadt, Nordhausen,
Rudolstadt, Saalfeld, Bad Salzungen).
Ihnen sind folgende Patrozinien zuzuordnen: Hl. Geist (Altenburg, Eisenach,
Bad Frankenhausen), St. Georg (Erfurt, Langensalza), St. Nikolaus (Gotha,
Hildburghausen), St. Clemens (Eisenach), St. Severin (Bad Frankenhausen),
St. Wolfgang (Gera), St. Jakob (Jena), St. Elisabeth (Langensalza),
St. Gangolphi (Langensalza), St. Cyriacus (Nordhausen), St. Lazarus
(Rudolstadt), St. Martin (Saalfeld), St. Wendel (Bad Salzungen). In
Eisenach und Erfurt gab es jeweils getrennte Häuser für Frauen
und Männer. Das Leprosorium in Neustadt hat im 16. Jahrhundert
noch 10 Insassen. In Gotha wurde das ehemalige Leprosenhaus als Armenhaus
we-tergeführt, die Leprosenkapelle in Gera als Wallfahrtskapelle,
das Haus in Altenburg wurde zum "Versorgungshaus" und in Schmalkalden
stand später dort das Landeskrankenhaus.
Literaturhinweis:
Als grundlegende Arbeit sei hier nur auf den wertvollen Überblick
über alle Hospitaltypen in Thüringen von Jürgen Kiefer,
Anmerkungen zur Klassifikation mittelalterliche Hospitäler am Beispiel
Thüringens, in: Sonderschriften Akad. Gem Wiss. 30 (1997), S. 33-62
hingewiesen. Sie berücksichtigt auch die Leprosorien, vor allem
auch die der Klöster, die hier nicht berücksichtigt werden.
Viele seiner hilfreichen Hinweise sind in die vorliegende Kartenlieferung
mit eingeflossen.
Jürgen Belker-van
den Heuvel, Münster
Details der Leprosorien im heutigen Thüringen
Übersichtskarte
der Leprosorien im heutigen Thüringen
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Klapper 2002
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