Dokumentation:

Mittelalterliche Leprosorien im heutigen Sachsen . . . . . . . . .

Einleitung:

Mit der 12. Lieferung "Mittelalterliche Leprosorien im heutigen Sachsen" erscheint die letzte Einzelkarte der Reihe "Mittelalterliche Leprosenhäuser" in den heutigen Bundesländern. Als Abschluss ist - wie bereits angekündigt - eine Gesamtkarte "Mittelalterliche Leprosorien in Deutschland" geplant.

Für das Bundesland Sachsen lassen sich insgesamt 20 Leprosorien in 17 Orten nachweisen, von denen allein 11 Häuser als ungesichert einzustufen sind.

Der Überblick nach Jahrhunderten

13. Jahrhundert:
Leipzig (1213)
Dresden (nach 1250)
Görlitz (1298)
Freiberg (um 1250)
Plauen (1255)
Leipzig (1278)
Zwickau (1284)
Lößnitz (1286)
Grimma (13. Jahrhundert)

14. Jahrhundert:
Zittau (1303)
Chemnitz (1365)

16. Jahrhundert:
Geyer (um 1500)
Dresden (1517)
Wurzen (vor 1552)
Borna (1564)

Undatiert:
Döbeln
Freiberg
Großenhain
Oschatz
Reichenbach

Zusammenfassung:
Die Leprosorien in Sachsen werden in den Quellen häufig als „domus leprosorum“ (Görlitz), „zum fernen Siechen“ (Döbeln), „Siechenhof zum hl. Geist“ (Chemnitz), „Fernesiechenhospital“ (Freiberg) oder „die armen siechen draussen uff dem Velde“ (Görlitz) oder als „Siechenhaus“ bezeichnet. In Reichenbach ist als Flurbezeichnung „Siechenwiese“ für Aussätzige überliefert.

Häufig finden wir komplett ausgestattete Häuser mit Hospitalgebäude, Kapelle und Friedhof (Geyer, Görlitz, Grimma, Großenhain, Leipzig, Lößnitz). Die „Lepraschau“ ist für das Leipziger Leprosenhaus
St. Johannes nachzuweisen, in dem die Leprösen sich bruderschaftlich
organisiert hatten. Die „Lepraschau“ wurde ab 1529 von der Medizinischen Fakultät in Leipzig durchgeführt. Die Häuser in Görlitz (ab 1567), in Zwickau (ab 1505) und Leipzig (im 15. Jahrhundert) brachten als Isolierhäuser vorübergehend Syphiliskranke unter und waren in der darauf folgenden Zeit mehrmals einem Funktionswandel unterworfen, bevor sie als Altenheime im 19. Jahrhundert abgerissen wurden (Chemnitz 1836, Freiberg 1843, Grimma
1835, Großenhain 1850 und 1884).

Als Patrozinien der Kapellen sind überliefert:
St. Georg (Borna, Grimma, Leipzig, Lößnitz, Oschatz),
St. Jakob (Görlitz, Großenhain, Zittau),
St. Bartholomäus (Dresden, Freiberg),
St. Johannes (Leipzig, Zwickau),
hl. Geist (Chemnitz),
St. Wolfgang (Geyer).

Literaturhinweise

Keyser, Erich / Stoob, Heinz, Deutsches Städtebuch, 5 Bde. (1939–1974)

Reicke, Siegfried, Das deutsche Spital und sein Recht im Mittelalter, 2 Bde., Stuttgart 1932, ND Amsterdam 1970 (Kirchenrechtl. Abh. 111–114)

Virchow, Rudolf, Zur Geschichte des Aussatzes, besonders in Deutschland, in: Virchows Archiv path. Anat. 18, 1860, S. 138-162, S. 273-329

Jürgen Belker-van den Heuvel, Münster


Details der Leprosorien im heutigen Sachsen

Übersichtskarte der Leprosorien im heutigen Sachsen

Inhaltsverzeichnis Klapper 2006

[home]


© Gesellschaft für Leprakunde e.V. Münster 2006

email