Die Klapper 2006 . . . . . . . . .
Die nun im Internet auf den Seiten der Gesellschaft für Leprakunde
www.lepramuseum.de veröffentlichte Bibliographie
enthält Literatur, die sich mit der Leprageschichte des europäischen
Mittelalters und der Frühneuzeit beschäftigt, genauer gesagt
der Zeit vom 7. bis zum 17. Jahrhundert. Hier findet sich neben einer
großen Anzahl von Quelleneditionen, Aufsätzen und Monographien
aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien Literatur zur Lepra
in Skandinavien, der Schweiz und Österreich, den Niederlanden und
Belgien, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Bulgarien und Tschechien.
Auch der östliche Mittelmeerraum ist durch Untersuchungen zur Lepra
zum Beispiel in den Kreuzfahrerstaaten vertreten.
Eine solche Zusammenstellung stellte bisher ein Desiderat in der Erforschung
der Geschichte dieser außergewöhnlichen Infektionskrankheit
dar. Bei dem einzig vergleichbaren Schriftenverzeichnis auf den Seiten
der International Leprosy Association wurde der zeitliche, geographische
und thematische Rahmen weiter gesteckt, so dass eine eher allgemeine
Bibliographie zur Lepra und ihrer Geschichte entstanden ist. Einige
wichtige Arbeiten speziell zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen
Lepra in Europa fehlen.
Erste Publikationen, die sich mit dem Phänomen der historischen
Lepra in Europa beschäftigen, stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Wie alle anderen wissenschaftlichen Themen durchlief ihre Erforschung
stets eine gewisse Konjunktur, das Interesse an ihr erstarb jedoch zu
keiner Zeit. Somit sind konsekutiv durch die Jahrzehnte entstandene
bis zu ganz aktuellen Veröffentlichungen in der Aufstellung vorhanden.
Eine Entwicklung lässt sich auch in den unterschiedlichen Themen,
die die Autoren wählten, erkennen. Die Historiker, Mediziner, Theologen,
Archäologen, Mikrobiologen etc. vertreten ein weit gefächertes
inhaltliches Spektrum. Natürlich ist immer der Umgang mit den mittelalterlichen
und frühneuzeitlichen Leprakranken ein wichtiger Gesichtspunkt,
und zwar unter Aspekten des kirchlichen und weltlichen Rechts sowie
vor dem Hintergrund der jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse.
Auch die Hospitäler der Leprakranken, die Leprosorien, boten bisher
ein dankbares Studienobjekt. Neben reinen Bestandsaufnahmen finden sich
Beschreibungen einzelner Häuser von ihrer Entstehung bis zur Schließung,
wobei die Standorte der Leprosorien, ihre Architektur, ihre Patrone,
ihre wirtschaftlichen Verhältnisse, ihre Verwaltung und sogar ihr
Alltag zum Teil sehr genau beschrieben wurden.
Weiter gibt es Untersuchungen zur Lepra in der mittelalterlichen Kunst
und Literatur, zum medizinischen Wissen über diese Krankheit in
der christlichen, jüdischen und islamischen mittelalterlichen Welt
sowie ihren Berührungspunkten mit anderen Infektionskrankheiten
dieser Zeit: Pest, Tuberkulose und Syphilis. Dass die Lepra nicht nur
gesellschaftlich schlechter gestellte Menschen traf, zeigen die Publikationen,
die sich mit möglicherweise von ihr befallenen Herrschern und deren
nicht nur gesundheitlichen Problemen beschäftigen.
So vielfältig wie die Themen sind, so vielfältig sind die
schriftlichen Quellen, die die Autoren heranziehen müssen, um der
historischen Lepra in Europa nachspüren zu können. In letzter
Zeit werden jedoch vermehrt osteoarchäologische und paläopathologische
Funde und Befunde zu Rate gezogen, anhand derer man neue Erkenntnisse
gewinnt. In diesem Zusammenhang wird unter anderem die historische Epidemiologie
der Lepra beleuchtet. Die zu Beginn der Bibliographie aufgelisteten
Zeitschriften, in denen häufig Literatur zur mittelalterlich/frühneuzeitlichen
Lepra veröffentlicht wird und die darum immer ein lohnender Fundus
für Literatursuchende sind, entstammen entsprechend fast
alle dem medizinischen/medizinhistorischen Bereich.
Das Anliegen der Präsentation einer Bibliographie im Internet sowie
der hier publizierten Erläuterung ist, Interessierte für die
vielfältigen Aspekte der vormodernen Lepra in Europa zu sensibilisieren.
Es wird schnell deutlich werden, dass es sich nicht nur um ein Randphänomen
einer dazu noch längst vergangenen Zeit handelt, die ohnehin als
"finster" gilt. Den Umgang mit der Lepra zu untersuchen kann
eine hervorragende Perspektive für einen Blick in die Welt des
Mittelalters und der frühen Neuzeit, vor allem in die Vorstellungswelt
der Menschen dieser Zeit, bieten. Und manches daran mag dann nicht mehr
so fremd, fern oder finster erscheinen, sondern doch erstaunlich bekannt
und mit Kontinuität bis in die heutige Zeit. Somit können
auch anthropologische Aspekte betrachtet werden. Es wird jedoch auch
deutlich, dass es sich wegen seiner Interdisziplinarität um ein
äußerst anspruchsvolles Thema handelt. Darum ist es das zweite
Anliegen der Bibliographie, einen einfacheren Einstieg für alle
zu ermöglichen, die sich mit der vormodernen Lepra in Europa beschäftigen
wollen.
Die Bibliographie kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
Die Nennung fehlender Literatur wird mit großem Dank aufgenommen.
Nikola Möller,
Düsseldorf
Bibliographie
zur Leprageschichte (pdf-Datei)
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